Das Kloster Marienwerder und die Klosterkirche -

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Die Kirche        Das Äußere     Das Innere     Ausstattung     Kreuzigungsgruppe     Die Fenster     Die Bronzetür

Das Kloster      Konventgebäude     Die Epitaphien

Das Äußere der kleinen Kirche wird seit der Restaurierung des vorigen Jahrhunderts wieder als romanische Basilika deutlich, wenn auch das nördliche Seitenschiff fehlt. Unter dem neuen Putz zeichnen sich die vier zugesetzten Arkaden zum Mittelschiff ab. Der neue Sockel von 1858/61 in diesem Bereich ist dem alten, überarbeiteten an der Ostseite der Kirche nachgebildet.

Außer dem durch die Restaurierung des 19. Jh. hervorgehobenen Querschiffsportal schmückt das rautenförmige Epitaph der Priorin Clara Eleonora von Ilten noch die zum Kirchhof gelegene Wand des nördlichen Quer- hausarmes. Anno 1694, 17 Jahre vor ihrem Tod, hat sie es anfertigen lassen. Es wird dem Bildhauer Hans Jacob Uhle zugeschrieben. Die mittlere Schrifttafel mit den persönlichen Daten rahmen Geschlechterwappen. Unten gemahnen Totenkopf und Sanduhr, in einer Muschel als Auferstehungszeichen geborgen, daran, dass unserem Leben nur eine bestimmte Zeit zugemessen ist. Die mit der Muschel unten anklingende Hoffnung auf ewiges Leben wird oben abschließend noch durch das von Engeln gehaltene Relief der Auferstehung Christi bekräftigt.

Auf dem Dach, das nach dem Klosterbrand von 1688 wieder aufgesetzt sein dürfte, erhebt sich im Westen ein kleiner neugotischer Turm von 1861, der aus einem vierseitigen Unterbau als Achteck aufsteigt und von einer ebenfalls achteckigen Pyramide gekrönt wird.

 

Das Innere der ehemals 3-schiffigen Basilika mit Querhaus, Chorjoch, Hauptapsis und 2 Nebenapsiden ist dem gebundenem System verpflichtet, ohne dass das Vierungsquadrat in Lang- und Querhaus streng wiederholt wird. Beide Langhausjoche, wie auch die schmäleren Querhausarme, nehmen Längsrichtung an. Das Chorjoch ist leicht querrechteckig. Hier zeigt sich schon die Entwicklung zum gotischen Gewölbe: Gurt-, Schild- und Scheidbögen sind bereits spitzbogig, die Kreuzganggewölbe haben gerade ansteigenden Stich.

Die zwei überwölbten, in der Südwand unter der heutigen Damenempore ausgesparten Spitzbogennischen ruhen in der Mitte auf einer gemeinsamen Konsole (durch eine Trennwand weitgehend verdeckt). Auch der Gurtbogen zwischen beiden Langhausgewölben steigt von ähnlichen bei der Restaurierung 1858/61 ergänzten Konsolen auf.

Anstelle von Eckvorlagen stehen an den westlichen Vierungspfeilern zum Langhaus hin eingebundene Dreiviertelsäulen mit stark erneuertem Blattkapitell auf eigener Basis über dem Pfeilersockel. Beide Ecksäulen dürften unabhängig von der Nonnenempore eine Weiterentwicklung der Stützengliederung sein. Am Bogen der Hauptapsis finden sich unterhalb der Kämpferplatten zwei Kantensäulen mit Würfelkapitellen und Eckblattbasen. Während sich die Kämpferplatten im Chor, an den östlichen Vierungspfeilern und an den östlichen Eckvorlagen des Querhauses aus Kehle, abgesetztem Wulst und einer Deckplatte zusammensetzten, bestehen sie weiter westlich nur aus Schräge und Platte. Die Sockelprofile der Pfeiler sind ebenso schlicht mit einer Schräge ausgebildet.

Die Kreuzgrate ruhen im Langhaus auf Konsolen mit Ausnahme an den Vierungspfeilern und an der Nord-West-Ecke, wo ein übereck gestellter Bogen eine schmale Mauerfläche unterfängt und den Grat spitz auslaufen lässt. Hier führte ehemals eine Wendeltreppe zum Boden.

Die Restaurierung des 19. Jahrhunderts hat auch im Inneren trotz des glattgeriebenen Verputzes und fehlen der bzw. nicht einbezogener Seitenschiffe den romanischen Charakter deutlich werden lassen.

 

Ausstattung: Seine Ausmalung erhielt der höher gelegene Chor kurz vor 1900. Von 1898 stammt die für jene Zeit qualitätsvolle Apsisverglasung, die alt- und neutestamentliches Geschehen aufeinander bezieht. Die in den Gewölben sich ankündigende Gotik nimmt die niederdeutsche  Kreuzigungsgruppe (mehr Details hier) des späten 13. Jh. auf, die sich auf dem Triumphbalken hoch am Beginn des Chores befindet. Sie ist 1961 aus dem hannoverschen Landesmuseum zurückgekehrt. 

Die weitere Ausstattung entstammt im wesentlichen den Entwürfen von Oberlandbaumeister Vogell 1859: die Taufe im Chorraum und der noch vorhandene Kanzelkorb, um den wie an vielen Kanzeln dieser Zeit Figuren des Hildesheimer Bildhauers Hurzig stehen. - Der Orgelprospekt erhielt bei Einbau des neuen Instruments 1972 sein Aussehen von 1860 zurück. Unter der Orgelempore ist ein lateinischer Schriftstein mit gotischen Minuskeln von der Stirnwand der 1858 abgebrochenen ehem. Nonnenempore eingelassen: "Im Jahre 1196 ist das Kloster gegründet - im Jahre 1476 ist dieser Chor gebaut." Eine andere stark verwitterte Platte darunter verweist ebenfalls auf die Klosteranfänge, stammt aber aus dem Barock. -

Eine Glocke hatte nach dem Brande vom Winter 1687/88 der Herzog und spätere Kurfürst von Hannover gestiftet: "Von Gottes Gnaden Ernest Augustus Bischof zu Osnabrück, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, Anno 1688, Nicolaus Greve hat mich gegossen in Hannover" heisst die Glockeninschrift. Die kleinere Glocke stammt aus der Werkstatt der Gebrüder Radler in Hildesheim 1924.

Kirche und Chorgang weisen bemerkenswerte Grabsteine auf, die 1977/78 bis auf das schon erwähnte Epitaph von draußen ins Innere versetzt wurden:
An der nördlichen Querhauswand das Epitaph des 1660 gestorbenen, in Amtstracht dargestellten Pastors Mögelke, der 36 Jahre Klosterprediger war. Im unverbauten Seitenschiffsjoch neben der Treppe zum Chorgang das seiner Entstehungszeit nach nächste Epitaph der Domina (Abtissin) Sophia von Holle, die dem Kloster im 30-jährigen Krieg von 1628 bis zu ihrem Tode 1663 vorstand. Vier Wappen - 2mal von Holle, dann von der Schulenburg und von Alten - schmücken das Mittelfeld, das die Lebensdaten der Verstorbenen nennt. In dem im unteren Feld eingemeißelten Psalmwort: "Ich lige vnd schlaffe gansz mit Frieden, den alleine du, Herr, hilffest mir, das ich sicher wohne" kommt in ergreifender Weise eine Frömmigkeit und Geborgenheit zum Ausdruck trotz aller Drangsal einer schweren Zeit.
Im Chorgang stehen nächst der Tür Grabplatten von Rittern, die dem Kloster verbun- denen Adelsgeschlechtern angehörten. Links Johannes (gest. 1325), daneben Volkmar von Alten (gest. 1330) Beide als junge Ritter ohne Bart mit herabhängen- dem Haupthaar breitbeinig dargestellt, vor sich den Altenschen Schild mit den 7 Rauten und je einem Nagel darauf, dahinter das Schwert in der Scheide. Auf dem nächsten Stein - Martin von Heimburg (gest. 1413) - ist ein leicht schräg stehender gepanzerter Ritter zu erkennen, das gezogene Schwert in der Rechten. Die Umschrift der 4. Grabplatte verweist auf Martin von Alten (gest. 1479), "dessen Seele ruhen möge in Frieden, Amen" Der Schild zeigt wieder die Altenschen Rauten, darüber Helm und Zier. An der in den Chorgang einbezogenen Querhauswand steht eine Grabplatte, die 1957 unter der Aufschüttung gefunden wurde: Dietrich von Reden (gest. 1541) kniet mit seiner Gemahlin und drei Kindern unter dem Kreuz, ein flach ausgearbeitetes Relief, in den Ecken vier Wappen. Vor der südlichen Querhauswand drei Grabmale: Zunächst das Epitaph, der Ehefrau Agathe Mecken (gest. 1564). Sie kniet ebenfalls vor dem Gekreuzigten. Die Inschrift ist niederdeutsch und schließt mit Phil. 1,21: "Christus is min Levendt vndt Sterven is min Gewinst." Es folgt das Standmal der Konventualin Marie Klara Gerber, das ehemals frei auf dem Kirchhof gestanden haben muss - eine Konventualin in ihrer damaligen Tracht mit Andachtsbuch, Rosen und Schleier als Hinweis auf ihren "geistlichen Stand". 1699 starb sie durch einen Unglücksfall, 36 Jahre alt, wie die Rückseite berichtet. Das nächste Monument erinnert an die im Alter von 38 Jahren 1725 verstorbene Ehefrau Anna Dorothea Blurne. War dieser Stein Anregung für den Hannoverarner Kurt Schwitters zu seiner ,Anna Blume"? An der die Querhausflucht fortsetzenden Chorgangwand steht heute ein kleiner Stein, der die zwei Kinder Drepensted in Erwachsenenkleidung vom Todesengel geleitet zeigt. Sie starben 1703 kurz hintereinander im Alter von 6 und 7 Jahren, wie die Rückseite berichtet. Ein letztes Epitaph in dieser Reihe, nur wenig jünger als das der Domina von Holle, für ihre 1665 verstorbene Mutter Marie von Bunaw "   ...setzt dieses Gedächtnis auf kindlicher Affektion ihre Tochter Maria von Elle, ergebene Jungfer des Closters Marienwerder", wie die Inschrift aussagt. In Marienwerder kann fast lückenlos die Entwicklung der Grabmale studiert werden. Zunächst die das Grab deckende Platte - hier mit Umrisszeichnung (v. Alten, v Heimburg) und mit leichtem Relief (v. Reden, Mecken) -, dann der aufgerichtete wesentlich kräftiger reliefierte Gedenkstein von Pastor Mögelke, die vor einer Wand hängenden Epitaphien aus der 2. Hälfte des 17 Jh. und schließlich die Stelen des Kircnhofes gegen 1700 und in den Jahrzehnten darauf. Auf dem kleinen Friedhof an der Kirche setzen sich die Grabmale bis in unsere Zeit fort.

Von der ehemals sicher reichen Ausstattung ist dem Kloster wenig verblieben. Neben Neuerem wird aufbewahrt:
Ein gotischer Kelch mit Kruzifixus und ehemals emaillierten Wappen von Alten und von Mandelsloh auf dem runden Fuß, ein weiterer gotischer Abendmahlskelch, auf dessen Sechspaßfuß eine halb erhabene Kreuzigungsgruppe und ein Wappenschild; eine dazugehörige Patene mit Vierpaß. - Ein Abendmahlstuch (wohl 17. Jh.) erinnert an die handarbeitliche Geschicklichkeit der Nonnen und Stiftsdamen. - Das Kestnermuseum in Hannover bewahrt einige Antependien und Stickerei.

Der Altar auf der Damenempore enthält in seinem Aufbau des 19. Jahrhunderts neben Christus in der Mitte die 12 Apostel, zu Dreiergruppen zusammengefasst. Von ihnen entstammen 6 einem mittelalterlichen Altar, der an gleicher Stelle vorher gelegenen Klostermägdeempore.

Konventgebäude: Nach einer Feuerbrunst 1335, die wohl vor allem Wirtschafts- und Konventgebäude betroffen hatte, konnten der Mindener Bischof Ludwig, der auch durch einen Ablass für die Finanzierung des Aufbaus gesorgt hatte, bereits 1338 eine Wiedereinweihung vornehmen. Nur ein tonnengewölbter Kellerraum, der merklich aus der Querachse des über ihn später hinweggebauten Südflügels gedreht ist, hat sich von den mittelalterlichen Konventgebäuden erhalten, zugänglich von einem ebenfalls tonnengewölbten Keller. Dieser gehört zum Neubau zweier Klosterflügel nach dem Brand von 1668, dem wohl auch das Kirchendach zum Opfer fiel. Heute beherbergen diese Flügel ein Pflegeheim, besonders für Konventualinnen der Calenberger und Lüneburger Klöster.

Beide relativ schmalen Trakte, von denen wenigstens der westliche bis 1860 2-geschossig blieb, setzen das mittelalterliche Grundschema mit Gängen zum Innenhof fort. In diesem Gangsystem wurde die mittelalterliche Kirche als nördlicher Hofabschluss durch Herabziehen des Kirchendaches über das Seitenschiff hinweg einbezogen. Die Außen- wand dieses Chorgangabschnittes vor dem südlichen Querhausarm stammt wie der Seitenschiffaufbau aus der Zeit um 1600. Die Bedeutung dieses ehem. Raumes, der zur Kirche gehört haben muss, ist ungeklärt. Hier, wie in den späteren massiven und verputzten Wänden der Konventflügel sind Rechteckfenster mit Sandsteingewände.

Den Innenhof - vielleicht nach Abbruch älterer Bausubstanz - schließt 1703/04 ein 2-geschossiger Wohntrakt nach Osten ab, der wieder zum Binnenhof hin Gänge aufweist, die am Südende durch eine repräsentative Treppe verbunden werden. Nur 2 Wohnungen, jede über beide Geschosse, nahmen den dadurch quergeteilten  Flügel ein. Fenster zum Gang erhellten Räume, die zwischen denen an der Außenwand und dem Klostergang eingeschoben sind. Die Wohnung in der nördlichen Hälfte erhielt hier erstmalig bei den Calenberger Klöstern ein eigenes internes Treppenhaus vom Keller bis zum Boden, während die südliche Wohnung auf die Treppe außerhalb verwiesen blieb.

Ab 1721 entstand der lange zweigeschossige, im Osten der Anlage vor- springende Trakt. Hier zogen sich an der Südseite in beiden Geschossen Gänge hin, von denen aus die Treppenhäuser der auch hier über 2 Geschosse reichenden Wohnungen betreten werden konnten. Alle Wohnungen und die Wirtschaftsräume im Erdgeschoss lagen nach Norden, teils mit Zwischenzimmern, die wieder über den Gang belichtet wurden. Am Ostgiebel lagen über einem hindurchgeleiteten Graben die Aborte.

Um Wohnungen für heutige Ansprüche zu gewinnen, ist dieser Flügel 1976/78 völlig umgebaut worden. Eine der neu angelegten Treppen führt zum vergrößerten Konvent- und Festsaal über der Eingangshalle.

Die Geländer aus dem aufgegebe-

nen Herrenhaus Dieckhorst entsprechen dem der Treppe im Mitteltrakt. Der Konventsaal erhielt eine barocke Stuckdecke ebenfalls aus Dieckhorst mit einem Gemälde im Zentrum. Dargestellt sind die Mondgöttin Selene, Geliebte des Zeus, und der schöne Hirte Endymion, ihr Geliebter, der nach der griechischen Mythologie von Zeus in ewigen Schlaf versetzt wurde. So bleibt trotz Umbau der barocke Charakter der Konventflügel bewahrt. Sie bilden von der Leine her gesehen, mit der alten Kirche eine wohlproportionierte Gebäudegruppe, deren herber Reiz Natur und Farben eines sonnigen Frühlingstages besonders unterstreichen.

(Quelle: Kloster und Klosterkirche Hannover-Marienwerder, Schnell Kunstführer 1181, erste Auflage 1979, Verlag Schnell & Steiner München/Zürich)

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