Das Kloster Marienwerder und die Klosterkirche -

Pflegeheim

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Das Pflegeheim im Kloster Marienwerder

Das Kloster Marienwerder hatte 1620 den Status eines evangelischen Damenstifts erhalten. Die Bewohnerinnen bildeten den Konvent und wurden deshalb Konventualinnen genannt. Als Mitte des 20. Jahrhunderts die Räume des Klosters nicht mehr alle genutzt wurden, suchte man in Anlehnung an die alte diakonische Tradition nach Aufga­ben und Ausstrahlung nach außen.

 

Die Grundvoraussetzungen für den Gedanken, das diakonische Wirken in Marienwerder wieder zu beleben, waren sehr günstig. Äbtissin Elisabeth Schlange (1953 – 1973), deren Schwester Helga Schlange und Schwester Hildegard Winter brachten mit ihrer beruflichen Ausbildung als Krankenschwestern die besten Voraussetzungen mit, in dem 1688-1690 erbauten Süd- und Westflügel des Klosters ein Alten- und Pflegeheim zu begründen. In den übrigen evangelischen Klöstern und Stiften der Klosterkammer Hannover lebten zu dieser Zeit viele Konventualinnen, die hochbetagt waren und der fachlichen Pflege bedurften.

 

Zunächst mussten die Gebäude samt Küche und sanitären Anlagen für diese Aufgaben hergerichtet werden. Im Jahre 1962 war es soweit: Schöne Einzelzimmer standen für die neuen Bewohnerinnnen bereit. Pflege, Betreuung und hauswirtschaftliche Arbeiten wurden vom Konvent geleistet. Aus den Aufzeichnungen der Äbtissinnen Frau Schlange, Frau Dettmann und Frau von der Lancken ist zu erfahren, wie schwer es war, mit den knappen finanziellen Mitteln und dem schwindenden Einsatz der älter werdenden Konventualinnen diese Aufgaben zu bewältigen. Die Forderungen der aufsichtführenden Behörden wurden immer umfangreicher, und der Einsatz des Konvents musste im Laufe der Jahre zwangsläufig durch Fachpflegepersonal ergänzt werden. Geblieben ist für die Konventualinnen bis zum heutigen Tag der Einsatz im begleitenden Dienst, die individuelle menschliche Zuwendung, das Mittragen und Mitbegleiten in schweren Stunden, das Einbringen in den hauswirtschaftlichen Bereich und weitgehend der Auf­gabenbereich Verwaltung.

 

Mittlerweile entsprach die Ausstattung der Gründerzeit nicht mehr den heutigen Bedürfnissen. So wurden 1992 neue Konzepte baulicher Umgestaltung und Modernisierung entwickelt. Viel Improvisation, Organisation und Geduld der Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen waren nötig, um diese Baumaßnahme durchzuführen. Die erste Bauphase konnte im Juni 1994 mit drei behindertengerechten Zweizim­mer-Appartements sowie einem vorbildlichen Stationsbad abgeschlossen werden. Im September 1994 wurde mit dem Ausbau des Dachgeschosses begonnen. Dazu mussten zunächst unendliche Mengen alter Möbelstücke und sonstige "Aufbewahrchen" entsorgt werden. Die geplanten Fertigstellungstermine waren nicht einzuhalten, immer wieder musste ein angestrebter Einzugstermin verschoben werden, ehe es im Februar 1996 soweit war: Weitere fünf behindertengerechte Zweizimmer-Appartements, ein Einzelzimmer, eine Teeküche für die Bewohnerinnen, ein Büro und Sozialräume, alles in vorbildlicher Gestaltung und Ausstattung, stehen seitdem zur Verfügung. Zusätzlich ist eine moderne Brandmeldeanlage für die Sicherheit der Bewohnerinnen installiert worden, ein Treppenlift ermöglicht gehbehinderten Menschen den Weg ins Obergeschoss.

 

Die Eingewöhnungsschwierigkeiten sind überwunden, die Arbeiten für behindertengerechte Wege und Brandschutztüren mit ihren unglaublichen Staub- und Lärmbelästigungen sind vergessen. Heute leben neun Konventualinnen und die Äbtissin im Kloster. Im Pflegeheim werden 17 Frauen betreut, nicht nur Konventualinnen aus den anderen Klöstern. Die Bewohnerinnen freuen sich über ein Haus, das sowohl personell als auch räumlich weit über dem Durchschnitt ausgestattet ist und allen Anforderungen für ein Wohnen im Alter in klösterlicher Atmosphäre gerecht wird.

 Äbtissin Christel Lehmann

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