Die Partnerschaft Grundsätzliches
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Die
Partnerschaft zwischen Marienwerder und Arushachini-Chemchem
besteht seit 1971. Sie ist damit eine der ältesten ökumenischen
Partnerschaften in der EKD und die älteste in der Hannoverschen
Landeskirche.
Die
kleine Kirchengemeinde Marienwerder (930 Mitglieder) gehörte früher
zum Kirchenkreis Hannover-Nordwest, ab 2001 zum Amtsbereich
Garbsen-Seelze im Kirchenkreis Hannover (Sprengel Hannover) der Ev.-Luth.
Landeskirche Hannover. Sie liegt im äußersten Nordwesten der
Landeshauptstadt. Seit drei Jahrzehnten ist sie auch mit der Ev.- Luth.
Marienkirchgemeinde Leipzig-Stötteritz (Ephorie Leipzig-Ost, Ev.- Luth.
Sächsische Landeskirche) partnerschaftlich verbunden. Die Partnerschaft
Stötteritz - Marienwerder besteht allerdings länger. Schon Pastor
Wilhelm Mannes (Marienwerder bis 1969) und Pastor Wend, Stötteritz,
hatten Kontakte. Viele Pakete gingen aus Marienwerder (und damals, bis
1964, noch Garbsen - Havelse) nach Leipzig. Es war eine Patenschaft. P. Dr. Wolfgang Günther intensivierte die Beziehung:
aus einer von Pastoren betriebenen Paketpatenschaft wurde eine mehr und
mehr von Gemeindemitgliedern in Besuchen gebaute Gemeindepartnerschaft.
Die
Partnerregion Arushachini - Chemchem liegt südlich von Moshi, in einer
ca. 1000 km2 großen
Ebene. Die Region wird durchflossen - und in letzter Zeit immer häufiger
schlimm überflutet - von vom Kilimandjaro und Mount Meru herabkommenden
Flüssen, die dann den Ruvu bilden. Südgrenze der Region ist der
Stausee Nyumba ya Mungu (Haus Gottes).
Allererste
Partnerschaftskontakte wurden 1971 geknüpft: zwischen den Gemeinden
Marienwerder und Moshi-Stadt. Die Partnerschaft sollte den Blick über
den eigenen Kirchturm heben (weitere Ziele s. Geschichte der
Partnerschaft, 1971). Den Kontakt nach Moshi hatte die Leipziger
Ev.-luth. Mission zu Erlangen vermittelt. In Marienwerder hatte P. Dr.
Wolfgang Günther seinen Dienst begonnen, in Moshi arbeitete P. Dr.
Christoph Maczewski, der ab 1970 die Gemeinde Moshi-Land (später, ab
1972, unabhängig als Gemeinde Arushachini) übernahm. Diese teilte sich
1980 wiederum in Arushachini und (südlich) Chemchem. Anfang 1993
entstanden aus Arushachini durch Teilung die Gemeinden TPC, Kiyungi und
Chekereni; eine Teilung der Gemeinde Chemchem erfolgte Anfang 1999: Eine
eigene Gemeinde ist nun der (hauptsächlich von Maassai besiedelte) Süden
mit Zentrum in Magadini. Im Gebiet Arushachini-Chemchem befinden sich
ca. 24 Dörfer bzw. Siedlungsplätze (Bantu- und Maasai-Bevölkerung).
Die Partnergemeinden gehören zur Norddiözese der Ev.-Luth. Kirche in
Tansania (ELCT). Sie wachsen deutlich - daher auch die Teilungen -, u.A.
durch die Taufe vieler Maasai. Nach Aussage der tansanianischen Partner
ist aller- dings auch die Partnerschaft ein Grund für ihr rasches
Wachstum.
Hauptort
im Gebiet Arushachini ist die Fabriksiedlung T.P.C. = Tanganyika
Planting Company. Es handelt sich dabei um die größte Zuckerfabrik in
Tansania, dänische Gründung, seit ca. 1980 Staatsbetrieb, privatisiert
2000. Die Anbaufläche des Zuckerrohrs beträgt ca. 7000 ha;
Jahresproduktion max. 40.000 Tonnen, Beschäftigte: ca. 5000, das
bedeutet: ca. 20.000 Menschen hängen wirtschaftlich von dem Betrieb ab!
Der Fabrik ist ein Krankenhaus angeschlossen, das nicht nur als
Betriebs-, sondern auch als Bezirkskrankenhaus dient. Die Behandlung ist
für Fabrikangestellte und -arbeiter kostenfrei, andere zahlen geringfügige
Gebühren. Ein gut funktionie- rendes Bewässerungssystem garantiert in
T.P.C. und einigen Nachbarorten Ernten, damit Löhne und auch Spendefähigkeit
der Gemeindemitglieder. In T.P.C. - Ort gibt es durch die Fabrik
Stromversorgung, auch hat sie für ein Leitungssystem für Frisch-
wasser gesorgt (Wasserturm vorhanden). Weitere Einkommensquellen im
Bereich Arushachini: private Landwirtschaft (Mais, Reis, Bohnen, Gemüse,
Sonnenblumen; Spezialität: ein japanisches Reis-Anbauprojekt in
Chekereni). Fällt für einige Zeit oder gar über mehrere
Wachstumsperioden kein nennenswerter Niederschlag, ergeben sich
katastrophale Situationen für Teile der Partnerregion, die über kein
Bewässe- rungssystem verfügen, vor allem für Chemchem.
Der südliche
Bereich Chemchem (= Quelle) wurde 2000 in zwei Gemeinden geteilt: Msitu
wa tembo (Elefantenbusch) mit Hauptort und Sitz des Pfarramts in Kivoi.
Die andere Gemeinde, Magadini, ist nach dem größten Dorf in ihrem
Bereich benannt, wo nun ebenfalls ein Pfarrer residieren soll. Die
Menschen dort betreiben i.W. Land- wirtschaft und Fischfang (in den Dörfern
am See) als Subsistenzwirtschaft. Abgese- hen von den Ländereien am Fluß
gibt es in Chemchem viel unfruchtbares Steppenge- lände: Versalzungen
werden verursacht durch häufige Überschwemmungen, auch Hochwasser des
Stausees.
Jede
Gemeinde hat jetzt einen Pastor (allerdings sind Vakanzen keine
Seltenheit), mehrere Evangelisten, eine Gemeindehelferin. Die
Evangelisten betreiben die eigentliche Gemeindearbeit in den Dörfern;
sie sind hauptamtlich angestellt und bilden ehrenamtliche
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus; sie selber zu trainieren, gehört
neben der Gemeindeleitung zu den wesentlichen Aufgaben der Pastorinnen
und Pastoren, die auch finanzielle Manager der Gemeinden sein müssen.
In fast
allen Dörfern gibt es florierende Frauengruppen, sie sind in der Regel
die wichtigste Gruppe der Gemeinde und unterhalten oft einkommensfördernde
Kleinprojekte. Kindergottesdienste finden überall statt, Jugendgruppen
werden gepflegt, wobei die Jugendarbeit bisher in der Regel mit der
Chorarbeit gleichzusetzen ist. Interessant für die Gemeinden werden
zunehmend Ausbildungsmöglichkeiten (Nähen für Mädchen und junge
Frauen, Tischlern für junge Männer und Jungen): Absolventinnen und
Absolventen der Primary School, die keine Möglichkeiten für weiter-
gehende Ausbildung haben, sollen wenigstens soweit qualifiziert werden,
daß sie sich selbständig machen können. Allgemeinbildende Fächer
(Englisch, Hauswirtschaft, Mathematik) werden nach Möglichkeit
hinzugenommen. Eine Nähschule in T.P.C. besteht und floriert. Eine
zweite (in Kivoi) ging wieder ein, z.T. aus Desinteresse der Bevölkerung.
Auch gibt es bisher nur eine Tischlerei in T.P.C. Allerdings plant die
Gemeinde Kiyungi nun eine solche Ausbildungs- und Lehrwerkstatt im südlichen
Teil von Kiyungi.
Gestalt der Partnerschaft:
Fürbitte
und Information, Briefe, Austausch und Begegnung, finanzielle Unterstützung.
Ständig
- seit über 20 Jahren! - werden die Partnergemeinden im Fürbittengebet
erwähnt; Informationen über Tansania und Ostafrika, Entwicklungsfragen
und Religionen Afrikas sind Bestandteile des Gemeindelebens in
Marienwerder; wir halten Kontakt zu anderen Tansania-Partnerschaften in
der hannoverschen Landeskirche; in Marienwerder, Stötteritz und der
Region Arushachini-Chemchem existieren Partnerschaftskomitees, der
Briefwechsel ist rege, und alle zwei Jahre finden wechselseitige Besuche
statt: 4 - 8 Personen aus den deutschen Gemeinden (seit 1973 aus
Marienwerder, seit 1991 aus Marienwerder und Leipzig-Stötteritz) halten
sich für 4 Wochen in den tansanianischen Partnergemeinden auf;
tansanianische Gemeindemit- glieder (seit 1977 jeweils 2, seit 1991
jeweils 4) reisen mit ihnen nach Deutschland und bleiben dort ebenfalls
4 Wochen. Bis 1991 war es nur sporadisch (Leipziger Messe!) möglich,
tansanianische Gäste nach Leipzig mitzunehmen; trotzdem war die
Leipziger Partnergemeinde über Informationen und innere Beteiligung
auch zu DDR-Zeiten in die Tansania-Partnerschaft einbezogen. Es ist
allerdings in Stötteritz in prägender Erinnerung geblieben, daß
immerhin 1979, 1985 und 1989 die tansanianischen Gäste auch Leipzig und
die Lutherstätten in Sachsen und Sachsen-Anhalt besuchen konnten. Ab
1989 kam es zu Überlegungen und dann zu konkreten Schritten bzw.
Abmachungen in Richtung auf eine Dreieckspartnerschaft. Dazu gehört natürlich,
daß Besucher aus Tansania in Hannover und in Leipzig zu Gast sind, daß
wir in Deutschland eng miteinander Fühlung halten, Briefe und
Informationen aus den Partnergemeinden austauschen uam. Den
afrikanischen Partnern gegenüber treten Stötteritz und Marienwerder
immer als ein Komitee auf. Alle Beschlüsse fassen die beiden
deutschen Gemeinden gemeinsam.
Daß wir
zwei Gemeinden in Deutschland sind, erleichtert uns doch sehr. Die
tansanianischen Gemeinden wachsen, und die Lasten müssen und können
nun auf mehr Schultern verteilt werden.
Steuerung, Regelung, Leitung:
Das
Partnerschaftskomitee in Marienwerder ist ein Ausschuß des
Kirchenvorstands und arbeitet diesem zu. Es plant Begegnungen, führt
die Geschäfte der Partnerschaft und den Briefwechsel, kümmert sich um
Weiterleitung von Informationen und beruft von Zeit zu Zeit den
Partnerschaftskreis ein, einen etwa 30 Personen umfassenden
Freundeskreis der Partnerschaft in Marienwerder mit einigen Außenkontakten
in andere Gemeinden. Der Pastor ist Mitglied im Team. Wichtig ist, daß
an ihm nicht zu viel hängt, denn Pastoren wechseln, und die
Partnerschaften sind Gemeindepartnerschaften.
In
Leipzig existiert ebenfalls ein Komitee, dem Kirchenvorstand zugeordnet,
welches sich mit dem Marienwerderer Komitee zweimal jährlich trifft, um
Partnerschafts- und Gemeindeangelegenheiten zu regeln.
In
Arushachini / Chemchem gibt es ein Großes und ein Exekutivkomitee. Das
Große Komitee ist eher ein Beratungsgremium, ihm gehören praktisch
alle Kirchenvorstandsmitglieder der Gemeinden an. Das kleine oder
Exekutivkomitee gibt es erst seit 1993. Es wurde unter Mithilfe von
Herrn Dieter Luther ins Leben gerufen: Je zwei Mitglieder der 5
Gemeinden und ein(e) Vorsitzende(r). Dazu kommen die 5 Pastoren als
Berater ohne Stimmrecht. Bis 1993 gab es nur ein großes Komitee, eine
undefinierte, manipulierbare und auch unbewegliche Menge von
Kirchenvorstehern, Evangelisten, Pastoren. Dies Komitee existiert als
Beratungs-, nicht als Entscheidungsgremium weiter.
Von
Anfang an und grundsätzlich gilt: Delegieren zum Besuch der
Partnergemeinden ist ausschließlich Sache der Komitees. Nur so wird
unendlicher Ärger vermieden. Das afrikanische Komitee geht da auch sehr
selbstbewußt vor, und glücklicherweise hat es kaum Versuche (etwa der
Kirchenleitung oder von Pastoren) gegeben, diese Regelung zu unterlaufen
oder zu unterdrücken. In Marienwerder resp. Leipzig delegieren Komitees
und Kirchenvorstände gemeinsam. An einer Reise interessierte Personen dürfen
sich natürlich auch melden, aber Motivprüfung ist unumgänglich. Außerdem
ist strikt geregelt, daß Projekte, Zahlungen, Zuwendungen nur über die
Komitees laufen, jede Anfrage wird an sie verwiesen.
Was für
die Partnerschaft insgesamt gilt, gilt auch für die Zusammensetzung der
Delegationen: Pastoren sind dabei, aber als Ausnahmen. Die
tansanianischen Partner sind von Anfang an herzlich und dringend darum
gebeten worden, Frauen und Männer gleichermaßen zu delegieren. Dem
haben sie auch entsprochen.
"Unregelmäßiges Verbum"
Unsere
Partnerschaft ist Gemeinde-Partnerschaft. Einer der tansanianischen Partner-Pastoren
sprach in diesem Zusammenhang von einer "meat partnership" im
Gegensatz zu Kirchenkreis-Partnerschaften, die er dann "bonepartnerships"
nannte!
Hinzu
kommt aber noch: Die Hannoversche Landeskirche ist nicht Partnerkirche
der ELCT. So halten wir fleißig Beziehungen zu anderen Missionswerken
aufrecht: Bayern, Wuppertal, Berlin, Nordelbien, natürlich jetzt
Leipzig, werden aber Hermannsburg und Hildesheim nicht untreu. Wir bemühen
uns, soweit immer vetretbar, um Einvernehmen mit dem hannoverschen
Landeskirchenamt wie mit der Diözese in Moshi. Für viel Einverständnis
und wohlwollende Förderung sind wir von Herzen dankbar. Vor allem freut
uns, daß Bischof Dr. Kweka in Moshi wiederholt bestätigt hat, ebenso
Superintendent Ringo in Moshi, unsere Partnerschaft habe viele Fehler
und Fallen, die anderen Partnerschaften zum Verhängnis geworden seien,
geschickt vermieden bzw. umgangen. |