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Wir hatten
eine großartige Delegation aus Arushachini und Chemchem bei uns, und
mit ihr eine dicht gepackte, intensive Begegnungszeit. Allen
Gastgeberinnen und Gastgebern, allen, die sich am Programm beteiligt
haben, sei noch einmal ganz herzlich gedankt!
Die
Besuchergruppe war sehr gut vorbereitet und hatte sich auch gründlich
organisiert. Nicht alle waren des Englischen mächtig, also sorgten die
anderen dafür, dass genau ins Kiswahili übersetzt wurde und niemand zu
kurz kam. Das kostete sicher Zeit, vertiefte aber den Austausch.
Dieser Bericht versucht,
das Wichtigste zusammenzufassen.
1. Zu den Gemeinden:
Es gibt viele Bauvorhaben.
Viele Kirchen sind angefangen und müssen nun ein Dach haben, Fenster
und Sitzbänke; an einigen Orten gibt es noch überhaupt kein Kirchgebäude,
was die Menschen als sehr ärmlich und auch demütigend empfinden. Die
miserable Finanzlage hindert oft daran, Bauten fertig zu stellen oder
Kapitel für einen Bau zu sammeln.
Das Gemeindeleben
ist überall rege, der Wunsch nach Kirchen kommt nicht zuletzt durch das
Wachstum der Gemeinden. Oft reichen die alten Kirchen nicht mehr, sie
sind zu klein. Hauptamtlich arbeiten in den Gemeinden 5 Pastoren, 21
Evangelisten und 2 parish worker (entspricht etwa einer kirchlichen
Sozialarbeiterin). Ehrenamtlich: unzählige Kirchenvorstandsmitglieder,
Chorleiterinnen und Chorleiter, Leiterinnen der Frauengruppen,
Kindergottesdienst - Mitarbeiterinnen und –mitarbeiter,
Komiteemitglieder…
Religionen und Konfessionen: Das Bild ist durchweg friedlich. Mit anderen
christlichen Konfessionen (Katholiken, Anglikanern, Herrnhutern,
Pfingstlern) gibt es Zusammenarbeit, man jagt sich aber jedenfalls die
Leute nicht gegenseitig ab. Mit den Muslimen lebt man zusammen: Christen
und Muslime beweinen ihre Toten gemeinsam, besuchen sich zu den Festen,
grüßen sich zu speziellen Anlässen. Frauengruppen von Christen und
Muslimen arbeiten z. T. miteinander an Projekten. „Die Muslime kennen
auch unsere Lieder, sie singen sie gern mit…“
AIDS: Horror.
Mittlerweile sprechen unsere Partner ganz offen über diese Geißel, die
in den Gemeinden wütet. Täglich müssen Personen beerdigt und Kinder,
Waisen also, untergebracht werden. Nicht immer funktioniert die Großfamilie,
teilweise wegen gesellschaftlicher Veränderungen, teilweise, weil die
Krankheit die Familie destabilisiert hat. Die Kirche führt
Schulungsprogramm für Pastorinnen und Pastoren sowie für Evangelisten
und parish worker durch, um diese zu befähigen, vor Ort aufzuklären,
zu warnen, Kranke und Sterbende zu begleiten. Eine immense
seelsorgerliche Aufgabe stellt sich. Die Regierung tut, was sie kann,
aber das Land ist riesig, die Krankheit überall, und die Mittel
begrenzt…
Finanzen:
Ein weiteres, ganz ernstes Kapitel. Die Gemeinden müssen von ihren spärlichen
Einnahmen (Kollekten, Spenden) 25% für den Kirchenkreis, die Diözese
und die Gesamtkirche abführen. Sie erhalten nichts, Tansania hat natürlich
kein Kirchensteuersystem. Von ihren verbleibenden Einnahmen haben die
Gemeinden alle hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu
bezahlen, was ein Ding der Unmöglichkeit ist. (Es hat in unserer
Partnerregion seit Jahren keinen vernünftige Ernte mehr gegeben).
Folge: Pastorinnen und Pastoren sowie Evangelisten erhalten einen
kleinen Bruchteil des ihnen zustehenden Gehalts, einige hungern, alle
leben in demütigend primitiven Verhältnissen.
Privatisierung: Das ist ein besonders Kapitel. Mitten in Arushachini,
dem Nordteil der Partnerregion, befindet sich die große Zuckerfabrik
und –plantage T.P.C. (Tanganyika Planting Company), 1999 wurde sie
privatisiert. Die neuen Inhaber wollen die Beschäftigtenzahl von 4800
auf 2800 senken und die Produktivität erhöhen. Gleichzeitig
investieren sie erheblich in die marode Anlage. Häuser, die der
Gesellschaft gehören, wurden bisher kostenlos von den Gemeinden, auch
als Mitarbeiterwohnhäuser, genutzt. Das ist vorbei, nun ist Miete zu zahlen. Woher nehmen? Das
Betriebskrankenhaus dient nach wie vor auch als Bezirkskrankenhaus, aber
nun kostet schon die Aufnahme Geld, und außer den Firmenangehörigen
und ihren engsten Familienangehörigen zahlen Patientinnen und Patienten
höhere Summen als bisher. Dies bringt natürlich Probleme: Die Leute
wandern massenweise ab und lassen sich in der Umgebung nieder; die
Gemeinden können die Miete für die bisher von ihnen genutzten Gebäude
nicht aufbringen; viele Menschen bekommen keine Krankenhausbehandlung
mehr, weil sie zu arm sind. Für Kommunalpolitik, aber auch die
Kirchengemeinden stellen sich Aufgaben. Aber sie haben keine oder viel
zu geringe Mittel, sie zu erfüllen.
Die
Privatisierung war seit langem absehbar, und sie war - trotz ihrer
nachteiligen Folgen - einfach unumgänglich: Die Firma verfiel
zusehends, in absehbarer Zeit wäre sie vermutlich nicht mehr arbeitsfähig
gewesen, und dann hätten alle Mitarbeiter keine Zukunft mehr gehabt.
2. Zu den Projekten:
Die Maismühlen,
die 1998 installiert wurden, arbeiteten ein Jahr gewinnbringend, seitdem
bringen sie kein Geld mehr ein (verschlingen glücklicherweise auch
keins), weil es seitdem keine regelmäßige Ernte mehr gegeben hat, es
ist also kein Mais z mahlen, und wenn, dann in solch geringen Mengen,
dass unsere recht stabilen und starken Mühlen dafür zu groß sind.
Solarbeleuchtung: Das Versuchsprojekt in Msitu wa Tembo ist begeistert
begrüßt worden. Die Nutzer des Projekts bezahlen einen Beitrag, der
ungefähr dem Kerosinverbrauch entspricht, die Lampen funktionieren. Es
ist abgesprochen, dass die Partner in Tansania eine Liste des Bedarfs
erstellen und das Projekt differenziert begründen, damit wir auch bei
Organisationen, Stiftungen etc. Gelder beantragen können. Ca. 75% der
Partnerregion verfügen nicht über Strom, da ist ein erheblicher Bedarf
an Solarlampen.
Jugendwerkstatt TPC: Es besteht hauptsächlich Bedarf an Werkzeugen und
Ersatzteilen für Werkzeuge. Ansonsten läuft die Ausbildung, es bleibt
zu überlegen, inwieweit Marienwerder und Stötteritz Ersatz für
Werkzeuge finanzieren. Die Partner werden auch hierfür eine Liste des
Bedarfs mit Kostenangaben erstellen.
Ausbildungsfonds: Mittlerweile fließen jährlich Zinserträge in Höhe
von € 1050,00 (mit steigender Tendenz) aus einer für diesen Zweck
gebildeten Rücklage nach Arushachini und Chemchem. Damit wird die
berufliche Ausbildung von10 Jugendlichen unterstützt, die sonst nach
Abschluss der Grundschule (8 Jahre) chancenlos da ständen.
Laufende Gehaltsunterstützung: Marienwerder und Stötteritz sagen zu, weiterhin jährlich
einen spürbaren Beitrag zu den Gehältern der hauptamtlichen
Gemeindemitarbeiterinnen und -mitarbeiter zu zahlen. Das erweist sich
nach den berichten der Delegation als bitter nötig. Es ist schon
vorgekommen, dass fähige Leute zu anderen Gemeinden oder Konfessionen
abgewandert sind, weil diese mehr bezahlen konnten.
Bau – Fonds:
Angesichts der vielen Bauvorhaben und der desolaten finanziellen
Situation haben Marienwerder und Stötteritz sich nicht auf Zusagen
einlassen wollen. Aber wir werden in den nächsten gemeinsamen Treffen
überlegen müssen, was dringlich sein könnte. Beispielsweise plant die
Gemeinde TPC, ein Wohnhaus für mehrere Gemeindemitarbeiter zu bauen,
die sonst auf der Straße säßen – denn die Zuckerfabrik will ja
jetzt Mieten haben, die die Gemeinde nicht lange bezahlen kann.
Fahrräder:
Eine Bitte des Komitees, die uns unmittelbar einsichtig erschien: Vor
etwa 15 Jahren hatte Marienwerder – das war durch eine Einzelspende möglich
geworden – 18 Fahrräder für die Mitarbeiter der Partnergemeinden
bezahlt. Nun musste Ersatz beschafft werden, denn es bedeutet immensen
Kraft- und Zeitverlust für die Gemeindemitarbeiter, alle ihre weiten
Wege bei jedem Wetter zu Fuß zurücklegen zu müssen. Gerade bei
Kranken und Sterbenden ist schnelles Erscheinen wichtig. Es wurde
beschlossen, 25 Fahrräder zu bezahlen, die Gemeinde Stötteritz hatte
schon 5 zugesagt.
4. Die
Delegation wurde von uns mit einem Abschiedsgeschenk
für die 5 Gemeinden verabschiedet, das sie in Entzücken versetzte: wir
gaben ihnen 5 Abendmahls – Gießkelche und dazugehörige Patenen aus
Edelstahl mit. Es war davon die Rede gewesen, dass manche
Abendmahlsfeiern mit einfachen Trinkgläsern und Holztellern stattfinden
müssten – das empfinden unsere Partner ebenfalls als sehr ärmlich
und auch als ehrfurchtslos gegenüber dem Heiligen Abendmahl. Wir
dachten, genau dies Abschiedsgeschenk wäre wohl dazu geeignet, zu
unterstreichen, dass unsere Partnerschaft, unsere Verbundenheit am
tiefsten wurzelt in der gemeinsamen Teilhabe an Jesus Christus, und die
wird ja nun im Abendmahl gefeiert und ausgedrückt.
5.
Schluss: Die Partnerschaft existiert und lebt. Gott sei Dank. Wer ist
bereit, sich im Jahr 2003 nach Tansania senden zu lassen und and er
Partnerschaft weiter zu bauen?
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