DAS KONVENTSGEBÄUDE

Klosterinnenhof
Klosterinnenhof     Foto: Uwe Großmann

Nach einer Feuerbrunst 1335, die wohl vor allem Wirtschafts- und Konventgebäude betroffen hatte, konnten der Mindener Bischof Ludwig, der auch durch einen Ablass für die Finanzierung des Aufbaus gesorgt hatte, bereits 1338 eine Wiedereinweihung vornehmen. Nur ein tonnengewölbter Kellerraum, der merklich aus der Querachse des über ihn später hinweggebauten Südflügels gedreht ist, hat sich von den mittelalterlichen Konventgebäuden erhalten, zugänglich von einem ebenfalls tonnengewölbten Keller. Dieser gehört zum Neubau zweier Klosterflügel nach dem Brand von 1668, dem wohl auch das Kirchendach zum Opfer fiel. Heute beherbergen diese Flügel ein Pflegeheim, besonders für Konventualinnen der Calenberger und Lüneburger Klöster.

Innentreppe
Innentreppe      Foto: Uwe Großmann

Beide relativ schmalen Trakte, von denen wenigstens der westliche bis 1860 2-geschossig blieb, setzen das mittelalterliche Grundschema mit Gängen zum Innenhof fort. In diesem Gangsystem wurde die mittelalterliche Kirche als nördlicher Hofabschluss durch Herabziehen des Kirchendaches über das Seitenschiff hinweg einbezogen. Die Außen- wand dieses Chorgangabschnittes vor dem südlichen Querhausarm stammt wie der Seitenschiffaufbau aus der Zeit um 1600. Die Bedeutung dieses ehem. Raumes, der zur Kirche gehört haben muss, ist ungeklärt. Hier, wie in den späteren massiven und verputzten Wänden der Konventflügel sind Rechteckfenster mit Sandsteingewände.
Den Innenhof - vielleicht nach Abbruch älterer Bausubstanz - schließt 1703/04 ein 2-geschossiger Wohntrakt nach Osten ab, der wieder zum Binnenhof hin Gänge aufweist, die am Südende durch eine repräsentative Treppe verbunden werden. Nur 2 Wohnungen, jede über beide Geschosse, nahmen den dadurch quergeteilten Flügel ein. Fenster zum Gang erhellten Räume, die zwischen denen an der Außenwand und dem Klostergang eingeschoben sind. Die Wohnung in der nördlichen Hälfte erhielt hier erstmalig bei den Calenberger Klöstern ein eigenes internes Treppenhaus vom Keller bis zum Boden, während die südliche Wohnung auf die Treppe außerhalb verwiesen blieb.

Konventsgebauede
Das Konventsgebäude              Foto: Uwe Großmann

Ab 1721 entstand der lange zweigeschossige, im Osten der Anlage vor- springende Trakt. Hier zogen sich an der Südseite in beiden Geschossen Gänge hin, von denen aus die Treppenhäuser der auch hier über 2 Geschosse reichenden Wohnungen betreten werden konnten. Alle Wohnungen und die Wirtschaftsräume im Erdgeschoss lagen nach Norden, teils mit Zwischenzimmern, die wieder über den Gang belichtet wurden. Am Ostgiebel lagen über einem hindurchgeleiteten Graben die Aborte. Um Wohnungen für heutige Ansprüche zu gewinnen, ist dieser Flügel 1976/78 völlig umgebaut worden. Eine der neu angelegten Treppen führt zum vergrößerten Konvent- und Festsaal über der Eingangshalle.

Stuckdecke
Stuckdecke      Foto: Uwe Großmann

Die Geländer aus dem aufgegebenen Herrenhaus Dieckhorst entsprechen dem der Treppe im Mitteltrakt. Der Konventsaal erhielt eine barocke Stuckdecke ebenfalls aus Dieckhorst mit einem Gemälde im Zentrum. Dargestellt sind die Mondgöttin Selene, Geliebte des Zeus, und der schöne Hirte Endymion, ihr Geliebter, der nach der griechischen Mythologie von Zeus in ewigen Schlaf versetzt wurde. So bleibt trotz Umbau der barocke Charakter der Konventflügel bewahrt. Sie bilden von der Leine her gesehen, mit der alten Kirche eine wohlproportionierte Gebäudegruppe, deren herber Reiz Natur und Farben eines sonnigen Frühlingstages besonders unterstreichen.