Überblick

Partnerschaft
Partnerschaftslogo

Die Partnerschaft zwischen Marienwerder und Arushachini-Chemchem besteht seit 1971. Sie ist damit eine der ältesten ökumenischen Partnerschaften in der EKD und die älteste in der Hannoverschen Landeskirche.

Die innerdeutsche Partnerschaft

Die kleine Kirchengemeinde Marienwerder (690 Mitglieder) gehörte früher zum Kirchenkreis Hannover-Nordwest, ab 2001 zum Amtsbereich Garbsen-Seelze, jetzt Amtsbereich Nordwest im Kirchenkreis Hannover (Sprengel Hannover) der Ev.-Luth. Landeskirche Hannover. Seit vier Jahrzehnten ist sie auch mit der Ev.- Luth. Marienkirchgemeinde Leipzig-Stötteritz (Ephorie Leipzig-Ost, Ev.- Luth. Sächsische Landeskirche) partnerschaftlich verbunden. Die Partnerschaft Stötteritz - Marienwerder besteht allerdings länger. Schon Pastor Wilhelm Mannes (Marienwerder bis 1969) und Pastor Wend, Stötteritz, hatten Kontakte. Viele Pakete gingen aus Marienwerder (und damals, bis 1964, noch Garbsen - Havelse) nach Leipzig. Es war eine Patenschaft. P. Dr. Wolfgang Günther intensivierte die Beziehung: aus einer von Pastoren betriebenen Paketpatenschaft wurde eine mehr und mehr von Gemeindemitgliedern in Besuchen gebaute Gemeindepartnerschaft.

Die Partnerschaft mit Arushachini / Chemchem

Allererste Partnerschaftskontakte wurden 1971 geknüpft: zwischen den Gemeinden Marienwerder und Moshi-Stadt. Die Partnerschaft sollte den Blick über den eigenen Kirchturm heben. Den Kontakt nach Moshi hatte die Leipziger Ev.-luth. Mission zu Erlangen vermittelt. In Marienwerder hatte P. Dr. Wolfgang Günther seinen Dienst begonnen, in Moshi arbeitete P. Dr. Christoph Maczewski, der ab 1970 die Gemeinde Moshi-Land (später, ab 1972, unabhängig als Gemeinde Arushachini) übernahm. Diese teilte sich 1980 wiederum in Arushachini und (südlich) Chemchem. Anfang 1993 entstanden aus Arushachini durch Teilung die Gemeinden TPC, Kiyungi und Chekereni; eine Teilung der Gemeinde Chemchem erfolgte Anfang 1999: Eine eigene Gemeinde ist nun der (hauptsächlich von Maassai besiedelte) Süden mit Zentrum in Magadini. Im Gebiet Arushachini-Chemchem befinden sich ca. 24 Dörfer bzw. Siedlungsplätze (Bantu- und Maasai-Bevölkerung). Die Partnergemeinden gehören zur Norddiözese der Ev.-Luth. Kirche in Tansania (ELCT). Sie wachsen deutlich - daher auch die Teilungen -, u.A. durch die Taufe vieler Maasai. Nach Aussage der tansanianischen Partner ist allerdings auch die Partnerschaft ein Grund für ihr rasches Wachstum.

Arushachini

Hauptort im Gebiet Arushachini ist die Fabriksiedlung T.P.C. = Tanganyika Planting Company. Es handelt sich dabei um die größte Zuckerfabrik in Tansania, dänische Gründung, seit ca. 1980 Staatsbetrieb, privatisiert 2000. Die Anbaufläche des Zuckerrohrs beträgt ca. 7000 ha; Jahresproduktion max. 40.000 Tonnen, Beschäftigte: ca. 5000, das bedeutet: ca. 20.000 Menschen hängen wirtschaftlich von dem Betrieb ab! Der Fabrik ist ein Krankenhaus angeschlossen, das nicht nur als Betriebs-, sondern auch als Bezirkskrankenhaus dient. Die Behandlung ist für Fabrikangestellte und -arbeiter kostenfrei, andere zahlen geringfügige Gebühren. Ein gut funktionie- rendes Bewässerungssystem garantiert in T.P.C. und einigen Nachbarorten Ernten, damit Löhne und auch Spendefähigkeit der Gemeindemitglieder. In T.P.C. - Ort gibt es durch die Fabrik Stromversorgung, auch hat sie für ein Leitungssystem für Frisch- wasser gesorgt (Wasserturm vorhanden). Weitere Einkommensquellen im Bereich Arushachini: private Landwirtschaft (Mais, Reis, Bohnen, Gemüse, Sonnenblumen; Spezialität: ein japanisches Reis-Anbauprojekt in Chekereni). Fällt für einige Zeit oder gar über mehrere Wachstumsperioden kein nennenswerter Niederschlag, ergeben sich katastrophale Situationen für Teile der Partnerregion, die über kein Bewässerungssystem verfügen, vor allem für Chemchem.

Chemchem

Der südliche Bereich Chemchem (= Quelle) wurde 2000 in zwei Gemeinden geteilt: Msitu wa tembo (Elefantenbusch) mit Hauptort und Sitz des Pfarramts in Kiwoi. Die andere Gemeinde, Magadini, ist nach dem größten Dorf in ihrem Bereich benannt. Die Menschen dort betreiben i.W. Landwirtschaft und Fischfang (in den Dörfern am See) als Subsistenzwirtschaft. Abgesehen von den Ländereien am Fluß gibt es in Chemchem viel unfruchtbares Steppengelände: Versalzungen werden verursacht durch häufige Überschwemmungen, auch Hochwasser des Stausees.

Gemeindearbeit

Jede Gemeinde hat einen Pastor (allerdings sind Vakanzen keine Seltenheit), mehrere Evangelisten, eine Gemeindehelferin. Die Evangelisten betreiben die eigentliche Gemeindearbeit in den Dörfern; sie sind hauptamtlich angestellt und bilden ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus; sie selber zu trainieren, gehört neben der Gemeindeleitung zu den wesentlichen Aufgaben der Pastorinnen und Pastoren, die auch finanzielle Manager der Gemeinden sein müssen.

In fast allen Dörfern gibt es florierende Frauengruppen, sie sind in der Regel die wichtigste Gruppe der Gemeinde und unterhalten oft einkommensfördernde Kleinprojekte. Kindergottesdienste finden überall statt, Jugendgruppen werden gepflegt, wobei die Jugendarbeit bisher in der Regel mit der Chorarbeit gleichzusetzen ist. Interessant für die Gemeinden werden zunehmend Ausbildungsmöglichkeiten (Nähen für Mädchen und junge Frauen, Tischlern für junge Männer und Jungen): Absolventinnen und Absolventen der Primary School, die keine Möglichkeiten für weiter- gehende Ausbildung haben, sollen wenigstens soweit qualifiziert werden, daß sie sich selbständig machen können. Allgemeinbildende Fächer (Englisch, Hauswirtschaft, Mathematik) werden nach Möglichkeit hinzugenommen. Eine Nähschule in T.P.C. besteht und floriert. Eine zweite (in Kivoi) ging wieder ein, z.T. aus Desinteresse der Bevölkerung. Auch gibt es bisher nur eine Tischlerei in T.P.C. Allerdings plant die Gemeinde Kiyungi nun eine solche Ausbildungs- und Lehrwerkstatt im südlichen Teil von Kiyungi.

Gestalt der Partnerschaft

Fürbitte und Information, Briefe, Austausch und Begegnung, finanzielle Unterstützung. Ständig - seit über 30 Jahren! - werden die Partnergemeinden im Fürbittengebet erwähnt; Informationen über Tansania und Ostafrika, Entwicklungsfragen und Religionen Afrikas sind Bestandteile des Gemeindelebens in Marienwerder; wir halten Kontakt zu anderen Tansania-Partnerschaften in der hannoverschen Landeskirche; in Marienwerder, Stötteritz und der Region Arushachini-Chemchem existieren Partnerschaftskomitees, der Briefwechsel ist rege, und alle zwei Jahre finden wechselseitige Besuche statt: 4 - 8 Personen aus den deutschen Gemeinden (seit 1973 aus Marienwerder, seit 1991 aus Marienwerder und Leipzig-Stötteritz) halten sich für 2 bis 3 Wochen in den tansanianischen Partnergemeinden auf; tansanianische Gemeindemit- glieder (seit 1977 jeweils 2, seit 1991 jeweils 4) reisen mit ihnen nach Deutschland und bleiben dort 4 Wochen. Bis 1991 war es nur sporadisch (Leipziger Messe!) möglich, tansanianische Gäste nach Leipzig mitzunehmen; trotzdem war die Leipziger Partnergemeinde über Informationen und innere Beteiligung auch zu DDR-Zeiten in die Tansania-Partnerschaft einbezogen. Es ist allerdings in Stötteritz in prägender Erinnerung geblieben, dass immerhin 1979, 1985 und 1989 die tansanianischen Gäste auch Leipzig und die Lutherstätten in Sachsen und Sachsen-Anhalt besuchen konnten. Ab 1989 kam es zu Überlegungen und dann zu konkreten Schritten bzw. Abmachungen in Richtung auf eine Dreieckspartnerschaft. Dazu gehört natürlich, dass Besucher aus Tansania in Hannover und in Leipzig zu Gast sind, dass wir in Deutschland eng miteinander Fühlung halten, Briefe und Informationen aus den Partnergemeinden austauschen. Den afrikanischen Partnern gegenüber treten Stötteritz und Marienwerder immer als ein Komitee auf. Alle Beschlüsse fassen die beiden deutschen Gemeinden gemeinsam.

Daß wir zwei Gemeinden in Deutschland sind, erleichtert uns doch sehr. Die tansanianischen Gemeinden wachsen, und die Lasten müssen und können nun auf mehr Schultern verteilt werden. 

Steuerung, Regelung, Leitung:
Das Partnerschaftskomitee in Marienwerder ist ein Ausschuss des Kirchenvorstands und arbeitet diesem zu. Es plant Begegnungen, führt die Geschäfte der Partnerschaft und den Briefwechsel, kümmert sich um Weiterleitung von Informationen und beruft von Zeit zu Zeit den Partnerschaftskreis ein, einen etwa 30 Personen umfassenden Freundeskreis der Partnerschaft in Marienwerder mit einigen Außenkontakten in andere Gemeinden. Der Pastor ist Mitglied im Team. Wichtig ist, dass an ihm nicht zu viel hängt, denn Pastoren wechseln, und die Partnerschaften sind Gemeindepartnerschaften.

In Leipzig existiert ebenfalls ein Komitee, dem Kirchenvorstand zugeordnet, welches sich mit dem Marienwerderer Komitee zweimal jährlich trifft, um Partnerschafts- und Gemeindeangelegenheiten zu regeln.

In Arushachini / Chemchem gibt es ein Großes und ein Exekutivkomitee. Das Große Komitee ist eher ein Beratungsgremium, ihm gehören praktisch alle Kirchenvorstandsmitglieder der Gemeinden an. Das kleine oder Exekutivkomitee gibt es erst seit 1993. Es wurde unter Mithilfe von Herrn Dieter Luther ins Leben gerufen: Je zwei Mitglieder der 5 Gemeinden und ein(e) Vorsitzende(r). Dazu kommen die 5 Pastoren als Berater ohne Stimmrecht. Bis 1993 gab es nur ein großes Komitee, eine undefinierte, manipulierbare und auch unbewegliche Menge von Kirchenvorstehern, Evangelisten, Pastoren. Dies Komitee existiert als Beratungs-, nicht als Entscheidungsgremium weiter.

Von Anfang an und grundsätzlich gilt: Delegieren zum Besuch der Partnergemeinden ist ausschließlich Sache der Komitees. Nur so wird unendlicher Ärger vermieden. Das afrikanische Komitee geht da auch sehr selbstbewußt vor, und glücklicherweise hat es kaum Versuche (etwa der Kirchenleitung oder von Pastoren) gegeben, diese Regelung zu unterlaufen oder zu unterdrücken. In Marienwerder resp. Leipzig delegieren Komitees und Kirchenvorstände gemeinsam. An einer Reise interessierte Personen dürfen sich natürlich auch melden, aber Motivprüfung ist unumgänglich. Außerdem ist strikt geregelt, daß Projekte, Zahlungen, Zuwendungen nur über die Komitees laufen, jede Anfrage wird an sie verwiesen. 

Was für die Partnerschaft insgesamt gilt, gilt auch für die Zusammensetzung der Delegationen: Pastoren sind dabei, aber als Ausnahmen. Die tansanianischen Partner sind von Anfang an herzlich und dringend darum gebeten worden, Frauen und Männer gleichermaßen zu delegieren. Dem haben sie auch entsprochen 

Unregelmäßiges Verbum"
Unsere Partnerschaft ist Gemeinde-Partnerschaft. Einer der tansanianischen Partner-Pastoren sprach in diesem Zusammenhang von einer "meat partnership" im Gegensatz zu Kirchenkreis-Partnerschaften, die er dann "bonepartnerships" nannte!

Hinzu kommt aber noch: Die Hannoversche Landeskirche ist nicht Partnerkirche der ELCT. So halten wir fleißig Beziehungen zu anderen Missionswerken aufrecht: Bayern, Wuppertal, Berlin, Nordelbien, natürlich jetzt Leipzig, werden aber Hermannsburg und Hildesheim nicht untreu. Wir bemühen uns, soweit immer vetretbar, um Einvernehmen mit dem hannoverschen Landeskirchenamt wie mit der Diözese in Moshi. Für viel Einverständnis und wohlwollende Förderung sind wir von Herzen dankbar. Vor allem freut uns, daß Bischof Dr. Kweka in Moshi wiederholt bestätigt hat, ebenso Superintendent Ringo in Moshi, unsere Partnerschaft habe viele Fehler und Fallen, die anderen Partnerschaften zum Verhängnis geworden seien, geschickt vermieden bzw. umgangen.