25 Jahre Musik für Spaziergänger

Musik für Spaziergänger — eine Institution wird 25!

Am Anfang setze ich bewusst ein deutliches „Nein“. Weder der Titel noch das Konzept war meine Idee! Vielmehr begann alles mit einem Artikel im Marienwerder Boten Nr. 357 vom Juli/August 1985, verfasst von Dagmar Albrecht. Eingebettet in Ausführungen zu Historie und Schönheit des Hinüberschen Parks schrieb sie damals:

„An den folgenden Sonntagnachmittagen im Sommer (einschließlich 22. September) wird die Kirche ca. eine Stunde lang geöffnet sein für jedermann. Musik erklingt mal als Gesang, einstimmig oder vielstimmig im Chor, mal als Kammermusik, mal als Orgelspiel. Das Programm ist jeweils an der Kirchentür zu sehen. Die „Musik für Spaziergänger“ soll anregen, Gottes schöne Natur zu erleben und durch Spaziergang und Musik Erholung an Leib und Seele zu erfahren.“ Ihr Beitrag schließt mit den Worten: „Mit der Musik für Spaziergänger möchten wir der Seele Besinnung und Erholung geben. Jeder ist herzlich eingeladen, während der Musik in der Kirche ein- und auszugehen.“

Das Ehepaar Albrecht war es dann auch, das die Organisation in die Hand nahm und über mehrere Wochen im Sommer für Musiker sorgte, die in der Kirche spielten. Zwei Jahre lang hatte ich mich nicht so richtig dafür interessiert, wurde dann aber gefragt, ob ich die Organisation der „Musik für Spaziergänger“ übernehmen könnte.

Am 9. August 1987 um 17 Uhr – diese Uhrzeit am Sonntag hat sich bis heute gehalten! – fand dann meine erste „Musik für Spaziergänger“ statt. Daraus entwickelte sich eine Reihe richtiger Konzerte mit Plakatwerbung und Ankündigungen in den umliegend erscheinenden Zeitungen. Meinen musikalischen Freunden – die ich zur Mitarbeit anregen konnte – wollte ich ja weder einen rein zufälligen Besuch von Zuhörern (ohne spezielle Werbung) noch während des Konzertes in der Kirche umhergehende Menschen zumuten. Diese kleinen Veränderungen schienen aber für niemanden ein Problem zu sein. Vielmehr erfreute sich die Reihe der Nachmittagsmusiken schnell breiten Interesses – das gilt bis heute! In fast jedem Konzert sitzen bis heute 40 bis 60 interessierte Zuhörer, bei manchen Konzerten ist die Kirche sogar bis auf den letzten Platz gefüllt.

Für den Erfolg der Sache gab es sicher mehrere Gründe: Erstens haben wir in Marienwerder nicht nur die älteste, sondern auch eine der schönsten Kirchen in Hannover. Zweitens klingt vor allem Kammermusik, also Musik in kleinen Besetzungen vom Gitarren-Solo bis zum Streich-Quartett, in der Kirchen-Akustik ganz hervorragend, sogar eine Tonaufnahme fand in der Klosterkirche deswegen schon statt. Und drittens lädt die Umgebung der Kirche – der schöne Hinübersche Park und die Leine-Aue – vor oder nach dem Konzert zu einem Spaziergang ein.

Wurde die Besetzung mal etwas größer, war auch das kein unlösbares Problem. Die über mehr als 15 Jahre bei uns auftretenden Zupfmusiker aus Empelde vom „Mandolinen- und Gitarrenorchester“ fanden immer einen Weg, den Altarraum bis auf den letzten Zentimeter auszunutzen, und große Chöre wie der Markuschor brachten sich gar ihr eigenes Podest mit. Es bleibt aber dabei, dass die Kirche für kleine Ensembles wie geschaffen ist. Und so wird der Schwerpunkt der Konzerte immer in diesem Bereich liegen.

Als eines der treuesten Ensembles seit Beginn der „Musik für Spaziergänger“ erwähne ich gern den Männerchor aus Moskau, der fast in jedem Jahr bei uns aufgetreten ist. Ihm ist bei seinen Benefiz-Konzerten fast immer ein großes interessiertes Publikum sicher. Ein herzliches Dankeschön gilt allen, die bei diesem und anderen Konzerten großzügig spenden und dazu beitragen, dass diese Einrichtung fortgeführt werden kann. Das finanzielle Konzept beruht nämlich seit der Gründung der Konzertreihe darauf, dass die Künstler nur ein kleines anerkennendes Honorar erhalten, das überwiegend durch die Spenden am Ausgang finanziert werden kann. Dadurch dürfte auch für die nächsten Jahre der Fortbestand der schönen Tradition gesichert sein.

Als übrigens das Internet in mein Leben Einzug hielt, wurde ich gewahr, dass es in Marienwerder nicht die einzigen Konzerte gibt, die das Wort „Spaziergänger“ in ihrem Namen tragen. Das stört aber nicht weiter, wenn die nächsten Konzerte mit diesem Titel in Hildesheim, Göttingen oder in Bergkirchen im Lippischen stattfinden. Die „Musik für Spaziergänger“ darf also ein Unikum in der näheren Umgebung bleiben und ist ein Beitrag zum „kirchlichen Ort“ Marienwerder.

Paul Martin Schencke

25. Juli 2008 - Spring´s Singers