Angedacht

Editorial aus dem aktuellen Gemeindebrief "Marienwerder Bote" Nr. 586

Angedacht
Titel Marienwerder Bote 586

Liebe Leserinnen und Leser, 

Da sieht es häufig doch ganz anders aus, wo sich Kerle an die Wäsche gehen. So viel sanfte Nähe wie zwischen dem, der reuevoll in die Knie geht und dem, der liebevoll und gnädig willkommen heißt, das ist nicht alltäglich – und es könnte doch alltäglich sein.

Zum Einüben haben wir gute Beispiele, wie etwa diese Geschichte, die Jesus erzählt. Wir kennen sie vor allem als die Geschichte vom verlorenen Sohn.

Die hatte Rembrandt vor Augen, als er sie, so wie auf der Titelseite dieses Boten, zu Bild brachte. Aber was steckt da nicht alles mehr drin als nur ein verlorener Sohn?

Da sehen wir auch einen wiedergefundenen Sohn. Seine Verlorenheit hatte ein Ende! Spuren der Zeit in Verlorenheit sind noch da: abgewetzte, verstaubte Kleidung, ein durchgelaufener Schuh, ein nackter Fuß. Doch so wie die Vaterhände liegt jetzt auf ihm, der daheim ist, ein helles Licht. Das kann seine Quelle im Gesicht des Vaters haben oder es fällt von irgendwo draußen auf die beiden; der Vater strahlt es auf den Sohn und nicht nur auf ihn. Aus dem Bild heraus fällt es auf uns alle, wo wir uns diesem Bild stellen, auch auf die, die noch am Rand stehen. Wahrscheinlich steht hier im Bild der Bruder, der schon immer zuhause war. Widerwillig mit ineinander verkrampften Händen sieht er auf dieses herzliche Willkommen für den in seinen Augen runtergekommenen Bruder; die Einladung des Vaters, mitzufeiern, hat ihn noch nicht erreicht.

So gesehen hatte einmal einer für die Geschichte vom verlorenen Sohn eine andere Überschrift: „Vom um Mitfreude werbenden Vater“. Auch die ist treffend: „So sieht Gnade aus“.

Nach Gnade suchte der junge Luther, umgetrieben von der Frage: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“

Einer unserer Zeitgenossen ist der Meinung: Luthers Frage hatte seine Zeit. Unsere Frage heute lautet: „Wie bekomme ich einen gnädigen Nächsten?“ Antworten darauf gibt es im Gottesdienst zum Männersonntag am 15. Oktober 2017 zum Thema „Gnade“.

Seien Sie willkommen – und dazu müssen Sie gar nicht mal Mann sein.

Seien Sie gegrüßt!

Ihr Heinz Speit