Angedacht

Editorial aus dem aktuellen Gemeindebrief "Marienwerder Bote" Nr. 594

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Blumenladen ist eine ganze Welt für sich. Blumenhändler könnten sich auch als Zusatz „Friedensbotschafter“ und „Seelsorgestelle“ an die Tür schreiben.
 
„Suche den Frieden und setze dich dafür ein“ (Jahreslosung 2019, Basisbibel), könnte ebenso ihr Motto sein. Die ganze Bandbreite des Lebens spielt sich in einem Blumenladen ab. Da bestellt einer einen großen Strauß für seine Frau zum Geburtstag. Eine Frau guckt sich um nach einer Blume für ihre Freundin, die im Krankenhaus liegt. Der Vorsitzende vom Sportverein bestellt einen Kranz für die Beerdigung eines verstorbenen Ehrenmitgliedes. Ein junger Mann empört sich über den Preis der Topfpflanze bis er merkt, dass er den teuren Übertopf zwar ganz hübsch findet, die Gummipflanze aber dann doch lieber ohne das edle Ding verschenken will. Eine Mutter bestellt Tischschmuck für die Taufe ihrer Tochter und streichelt ganz verliebt ihr Kind im Tragetuch. Ein alter Herr hält einen Topf mit Tulpenzwiebelnin der Hand – die weißen Blütenspitzen kommen schon zum Vorschein.
 
„Was meinen Sie, ob ich damit ein Gespräch anfangen kann? Da ist was nicht gut gelaufen. Gar nicht gut. Eigentlich nicht wieder gut zu machen
... Ob sie mit mir noch reden wird? Was meinen Sie? Vielleicht habe ich ja eine Chance. Aber wieder gut machen kann ich es nicht. Es gibt Dinge im Leben, die kann man nicht nachholen. Die sind dann vorbei, wissen Sie?...“ stammelt er mit verzweifeltem Blick, den Tulpentopf in der Hand. Die Floristin hört ihm freundlich zu. „Als Geschenk ein wenig einwickeln?“ „Ja, bitte.“ Dann sagt sie verständnisvoll: „Ja, das kann vorkommen, was Sie erlebt haben. Da sagt der eine das und der andere versteht es auf seine Weise. Ja. Ich wünsche Ihnen Mut und viel Glück bei Ihrem Vorhaben. So eine Frühlingsblume eignet sich dafür ja ganz gut. Aufbruch, Neuanfang – ohne Worte halten Sie das ja quasi in der Hand“. „Danke“, haucht der alte Mann leise und stapft davon, die Tulpen in der Hand. Er traut sich, sich der Situation zu stellen. Das zeugt von Größe.
 
Ich finde, Blumen sind ein wunderbarer Teil von Gottes Schöpfung. Sie trösten, machen Freude, schmücken und helfen, den Frieden wieder herzustellen.

Friede sei mit Ihnen!

Ihre Pastorin Judith Augustin

(Titelbild: Wandmalerei in der Klosterkirche)