Angedacht

Editorial aus dem aktuellen Gemeindebrief "Marienwerder Bote" Nr. 600

Liebe Leserinnen und Leser,

Ja, Sie haben richtig gesehen: Das Titelbild dieses Marienwerder Boten ist tatsächlich ein auf ein Garagentor gemaltes Bild!
Aber warum das als Titelbild und noch dazu in Zeiten, in denen wir andere Bilder vor Augen haben müssen: mit Atemschutz vermummte Hilfskräfte in den Krankenhäusern, leere Bänke in den Kirchen, in Klassenräumen, in Stadien, Ladentheken mit Verkäuferinnen dahinter und kaum Kundschaft davor?
Vielleicht gerade deshalb! Am Garagentor zu sehen: eine liebliche Landschaft mit sanften grünen Hügeln unter blauem Himmel und hellen Schönwetterwolken und all das überspannt von einem Regenbogen, diesem Symbol für Hoffnung.
Aber das alles ist auch zertrennt und versperrt durch rostige Eisenstäbe. Doch da sind nicht nur die Eisenstäbe. Wie auf einem Hügel in der Ferne am Horizont und dennoch uns am Nächsten, dieses goldene Kreuz, zugleich der Zu- und Drehgriff, mit dem sich das Tor öffnen lässt. Dieses Bild mit der lieblichen Landschaft unter dem Regenbogen wird überflüssig, wir brauchen es nicht mehr, wenn uns ein Ort dahinter erschlossen sein wird, an dem wir geschützt stehen werden und zur Ruhe gekommen sind. Hoffnung ist erfüllt, Ziel erreicht, angekommen und aufgenommen.
So gesehen kann uns ein bemaltes Garagentor wie zu einem Glaubensbekenntnis werden. Da zeigt sich,wie vielfältig Glaubensbekenntnisse sein können: gemeinsam gesprochen im Gottesdienst, in der Bankreihe zwischen Schwestern und Brüdern, in Zeiten der Not und Ansteckungsgefahr zu Hause, scheinbar allein und doch am offenen Ohr Gottes und eben auch mit solch einem Bild vor Augen wie diesem Osterbild: ein Garagentor mit dem Griff wie ein Kreuz, golden und leer. Der am Kreuz hing, lebt.
Vielleicht sind wir in solchen Zeiten jetzt, gerade mehr als sonst immer schon, hineingenommen in diese Spannung des Mitmenschen, der Jesus bekennt und ihn bittet: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ (Wort für 2020).
Seine Bitte wurde erhört. Auch deshalb feiern wir Ostern und singen: „… Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit!“
Ihnen ein gesegnetes Osterfest. Bleiben Sie behütet!

Ihr Heinz Speit