Angedacht

Editorial aus dem aktuellen Gemeindebrief "Marienwerder Bote" Nr. 592

Liebe Leserinnen und Leser,

auf dem Titelblatt sehen Sie einen erleuchteten Kürbis. Auf den ersten Blick denkt man an Halloween. Allerdings ist hier eine Lutherrose eingeschnitzt. Wer einen solchen Kürbis am 31. Oktober vor die Haustür stellt, bekommt ganz sicher Besuch. Kinder werden klingeln, die ihre Taschen mit Süßigkeiten füllen wollen. Die sind wahrscheinlich gruselig verkleidet als Gespenster oder Hexen und rufen „Süßes oder Saures“ (also: Gib mir Süßes oder ich gebe dir Saures). Das Gruseln hat seinen Reiz und es macht ihnen Spaß, sich zu verkleiden.
Ein Kinderspaß, der aber eigentlich keiner ist, sondern angebliche böse Geister vertreiben soll. Dabei waren wir doch schon lange weg von diesem dunklen Geisterglauben, nämlich spätestens seit der Reformation vor 500 Jahren. Dieser Geisterglaube und das Spielen damit hat aber seinen Reiz.
Die Lutherrose auf dem Kürbis ist dann ein guter Gesprächsanlass, um auf den Reformationstag hinzuweisen, der in diesem Jahr sogar wieder staatlicher Feiertag geworden ist: Ein Kreuz, ein Herz, eine Rose sind zu sehen. Sie sind hell erleuchtet. Das Kreuz ist Symbol dafür, dass Jesus stärker ist als alle dunklen Mächte, stärker als der Tod. Er bringt die Liebe in die Welt. Gott gibt uns durch Jesus Christus Liebe ins Herz. Die Rose in dem Familienwappen Luthers ist im Original weiß. Die Farbe Weiß ist – nach Martin Luther – „die Farbe aller guten Geister und aller Engel Farbe“.
Diese Kürbislampe mit dem Lutherkreuz fordert also unausgesprochen dazu auf: Entscheide dich, wem willst du folgen, den dunklen oder den hellen Mächten. Dem Grusel, dem Grauen und der Angst oder ... der Liebe und all dem, was das Leben liebenswert macht?
Der Reformationstag ist ein guter Anlass, sich Gedanken darüber zu machen.
Am Reformationstag ist die Klosterkirche von 13:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Machen Sie doch einen Spaziergang zur Kirche und kehren Sie ein. Nehmen Sie Platz auf einer Kirchenbank und nehmen sich Zeit. Gebete und Psalmen liegen in den Kirchenbänken aus und laden ein zur eigenen stillen Andacht. Schöne Musik erfüllt den Raum, wer mag, kann eine Kerze zum stillen Gebet anzünden.

Herzlich grüßt Sie

Ihre Pastorin Judith Augustin